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IGEP - Zertifizierung
von Natursteinen
   
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Das Zertifitierungsver fahren

 

Ein Industriezweig am Pranger

Mit der Produktion von Natursteinprodukten sind tausende von Arbeitsplätzen verbunden. Sie sichern den Lebensunterhalt von Familien, die sonst keine anderen  Einkommens-
und Beschäftigungsmöglichkeiten hätten. Sie ermöglicht  ihnen medizinische Versorgung und bietet  gerade Kindern aus  ärmeren Bevölkerungsgruppen Chancen einer  Schul-
und Berufsausbildung. Die Natursteinindustrie eröffnet damit  bessere Perspektiven für die weitere Entwicklung ganzer Regionen.

In der jüngeren Vergangenheit geraten diese Möglichkeiten jedoch zunehmend in Gefahr. Aktivisten und Nicht-Regierungsorganisationen erheben in breit angelegten Kampagnen den Vorwurf, dass indische Natursteine in großem Umfang von  Kindern abgebaut und verarbeitet werden. Einige deutsche Bundesländer, Städte und Gemeinden bereiten deshalb neuerdings Regelungen vor, die den Kauf und die Verwendung von “Steinen mit Kinderarbeit” verhindern sollen. Die Friedhofsatzungen verschiedener deutscher Kommunen verlangen bereits, dass Grabmale nur aufgestellt werden können, wenn die Nicht-Verwendung von Kinderarbeit in allen Stufen ihrer Herstellung, Bearbeitung und Transport  durch Zertifizierung sicher  nachgewiesen ist. Weitere Gemeinden sind offensichtlich gewillt, sich diesen Beispielen anzuschließen. Bereits absehbar erscheint auch die Forderung nach entsprechenden Zertifikaten bei öffentlicher Beschaffung von Natursteinen, vor allem für die Gestaltung öffentlicher Plätze und Anlagen und bei  Hoch- und Tiefbauprojekten  öffentlicher Träger.

Betroffen von dieser Entwicklung sind der gesamte  Natursteinhandel, das Steinmetz-gewerbe, Bauunternehmen, sowie Garten- und Landschaftsgestalter. Bis zur endgültigen Klärung aller Rechtsfragen in diesem Zusammenhang, insbesondere im Hinblick auch auf Europäisches Recht und die Regelungen der Welthandelsorganisation (WTO) des Verbots
von Diskriminierung, dürfte noch einige Zeit vergehen. Zweifel an der Angemessenheit der Vorgehensweise erscheinen durchaus angebracht, zumal sie ehrbare und traditionsreiche Gewerbezweige in Bausch und Bogen unter Verdacht stellt und im Herkunftsland Indien einen erfolgreichen Industriezweig und viele tausende von Existenzen bedroht. Angesichts der anhaltenden Propaganda gegen die betreffenden Natursteine ist es aber angeraten, sich schon heute auf die kommenden Regelungen, Forderungen, Verbote  und Handelsbeeinträchtigungen einzustellen. Auch wenn Sachkenner sie für nicht angebracht und  überzogen halten, sind sie gut beraten, für den einzelnen Käufer, staatliche Stellen und die  breite Öffentlichkeit jedes – auch noch so geringe -  Misstrauen an der sozialen und ethischen Produktion durch Überprüfung und Zertifizierung zu beseitigen.

 

Grundsätze der Zertifizierung durch IGEP
    
Die entsprechende Prüfung und Zertifizierung von Naturstein-Exportprodukten  ist möglich. Sie wird von IGEP, einem unabhängigen privaten und gemeinnützigen Unternehmen unter deutscher Leitung,  für ganz Indien angeboten. IGEP verfügt bereits über mehr als 20 Jahre  Erfahrung in der Produktionsüberwachung und Zertifizierung von Industrien wie der Herstellung von Teppichen, Schuhen, Lederbekleidung und anderen   Ledererzeugnissen, Textil und Bekleidung, Haus- und Heimtextilien, Kunstgewerbe- und Geschenkartikeln, Schmuck, Autokomponenten, etc. IGEP führt als einzige Organisation in Indien regelmäßig und umfassend eine systematische Kontrolle und  Überwachung der gesamten Wertschöpfungskette im Natursteinbereich durch.  Erfasst werden alle Tätigkeiten

  • vom Abbau der Blöcke im Steinbruch,
  • ihrem Transport zu den Verarbeitungsbetrieben,
  • dem Schneiden, Polieren und Zurichten
  • der Verpackung 
  • und des Transports bis hin zur Verschiffung. 




Dem geschulten Prüfpersonal kommt dabei die Sachkenntnis und Erfahrung der Rugmark-Foundation India und ihrer Inspektoren seit 1991/92 zugute. IGEP war federführend bei der Einführung des Rugmark-Siegels zur Kennzeichnung von Teppichen ohne Kinderarbeit. Bis heute wurden rd. 15 Millionen Teppiche mit dem Rugmarksiegel – dem Versprechen für Teppiche ohne Kinderarbeit und für sozial verantwortliche Produktion -  aus Indien exportiert. Rugmark und IGEP sind seit der Konzipierung des Verfahrens und seiner ersten Umsetzung eng miteinander verbunden. Rugmarks  Gründungsvorsitzender, Dr. Kebschull, ist Leiter der IGEP Foundation und ehrenamtlich  seit mehr als zwei Jahrzehnten für Rugmark als Berater tätig. Die IGEP Direktorin, Sharda Subramaniam, führt seit über 10 Jahren – ebenfalls ehrenamtlich - das Sekretariat von Rugmark in Indien. Als die indische und deutsche Natursteinwirtschaft IGEP um Unterstützung für die Natursteinzertifizierung ersuchte, war die Rugmark Foundation India sofort bereit, ihr Wissen und ihre Erfahrung auch in die  Überwachung von Kinderschutz, Arbeits- und Sozialbedingungen   der Natursteinsteinproduktion einzubringen und dabei eng mit IGEP  zusammenzuarbeiten. Inspektoren beider Organisationen bilden hierzu teilweise gemeinsame Prüfteams. Zur Betonung  gleicher Ziele und gemeinsamer Konzepte wird das eingeführte und bekannte Rugmark Logo mit geringen Anpassungen gleichermaßen  benutzt..

IGEP kann damit auf lange bestehenden und bewährten Strukturen aufbauen. Hinzu kommt aufgrund der langjährigen Arbeit im Entwicklungsbereich ein positives, enges Kooperationsklima mit Regierungsstellen, Verbänden, der Privatwirtschaft und der Zivilgesellschaft in Indien und mit allen bedeutenden Absatzländern. IGEP war und ist für seinen ständigen Einsatz zur nachhaltigen Verbesserung der Lebensbedingungen – mit Focus auf die  ärmeren und unterprivilegierten Gruppen der Bevölkerung –weithin bekannt. Unternehmer, Verbände und Regierungsstellen sind überzeugt, dass stets gemeinsame Lösungen gesucht werden, die helfen, sozial verantwortliche Produktionen zu gewährleisten und damit Armut und weitere Verelendung zu vermeiden. Bei der  Finanzierung wird  zur Sicherung der Nachhaltigkeit nicht auf den Staat gesetzt, sondern sich auf die Leistungswilligkeit und -fähigkeit der beteiligten  Unternehmen bezogen.

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Was wird geprüft?

Im Vordergrund der Überwachung steht – entsprechend der öffentlichen Aufmerksamkeit und der ethisch-moralischen Verpflichtungen – die Vermeidung und Beseitigung von Kinderarbeit entsprechend der indischen Gesetzgebung und der Konventionen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) der Vereinten Nationen. Aufgrund der permanenten Arbeit von Rugmark, IGEP und gleich-orientierter Organisationen und gleichgesinnter Personen ist Indien mittlerweile dabei, letzte Hindernisse für die vollständige Ratifizierung der ILO-Konventionen 138 und 182 zu beseitigen.

Zusätzlich werden in den kontrollierten Betrieben eine Reihe weiterer sozialer Mindestanforderungen geprüft. Dazu gehören insbesondere

  • auch der Ausschluss jeglicher Form von Zwangsarbeit und Schuldknechtschaft (ILO-Konvention 29 und 105)
  • die Einhaltung der Höchstarbeitszeiten und Einhaltung von Ruhezeiten und Feiertagen,
  • die Zahlung der gesetzlich festgelegten und regelmäßig anzupassenden Mindestlöhne und Zuschläge
  • die vorgeschriebene höhere Abgeltung von Überstunden, sowie Zuschlägen für Sonn- und Feiertagsarbeit,
  • der Verzicht auf jegliche rassische, ethnische, religiöse und persönliche Diskriminierung ; auch in der Entlohnung(ILO-Konvention 100 und 111)
  • die Bedingungen für freie Koalitions- und Versammlungsfreiheit (ILO-Konvention 87 und 98)
  • die strikte Berücksichtigung und Einhaltung von Gesundheits- und Sicherheitsvorschriften und
  • die Schaffung von Umweltbewusstsein und Vermeidung gravierender Umweltschäden als Teil unternehmerischer Verantwortung.

Die Erfahrung zeigt, dass diese Kontrollarbeiten es nicht notwendig machen, jeden Quadratmeter in einem  Steinbruch oder jede Maschine in einem Verarbeitungsbetrieb rund um die Uhr strikt polizei-ähnlich zu kontrollieren. Wie in anderen Industrien erkennen   Unternehmen erfahrungsgemäß sehr schnell, dass sie Aufträge nur dann dauerhaft bekommen können, wenn sie keinen Anlass zu Beanstandungen bieten. Dies gilt insbesondere für Kinderarbeit. Würde diese angetroffenen, bedeutete dies für die betroffenen Unternehmen den Verlust von jeglichen Aufträgen und damit letztlich den geschäftlichen Zusammenbruch . Teppichhersteller gingen in der Vergangenheit deshalb – insbesondere auch wegen der allgemein drastisch   zurückgehenden Nachfrage nach handgefertigten Teppichen – außergewöhnlich  schnell dazu über, eigene Kontrollteams aufzustellen, um jedwede negative Überraschung bei Rugmark-Kontrollen zu vermeiden. Außerdem legen Unternehmen, die sich selbst an die Regeln halten, großen Wert darauf, nicht von Unternehmen aus Markt gedrängt zu werden, die sich nicht an Mindestanforderungen ethischer und moralischer Prinzipien halten. Markt und Wettbewerb wurden damit für IGEP – auch in einem so großen Land wie Indien - wesentlich transparenter und leichter überwachbar.

 

Wie wird geprüft?

Voraussetzung für diese Einführung verbindlicher Normen ist zunächst die freiwillige Verpflichtung der zu prüfenden Unternehmen, sich jederzeit und ohne vorherige Ankündigung von den IGEP/Rugmark-Inspektoren kontrollieren zu lassen. Diese  Selbstverpflichtung ist ein entscheidender Schritt zur erfolgreichen und glaubhaften  Überwachung und Zertifizierung.
IGEP erhält die Namen der Lieferanten von seinen  Kunden in Deutschland. In Indien erfolgt dann die Kontaktaufnahme zu diesen Firmen. Sie geben die Liste ihrer Steinbrüche und Transporteure an IGEP. Die Liste wird in Kooperation mit Käufern, Verbänden und Kammern nochmals genau überprüft und im Zeitablauf den auftretenden Veränderungen angepasst.

Um zunächst ein Vertrauensverhältnis aufzubauen und Sicherheitsrisiken auszuschließen, werden die ersten Inspektionen gemeinsam mit der Leitung der Verarbeitungsunternehmen und der Steinbrüche vorgenommen. Dabei wird zuerst das Verfahren der Kontrollen erläutert. Die Prüfung der jeweils wichtigen Aspekte wird in der   gemeinsamen Begehung der Betriebe und Steinbrüche und beim Ausfüllen der Prüfberichte allgemein verständlich demonstriert. Persönlich eingeführt werden dabei auch die Inspektoren, die später jederzeit unangemeldet zu Prüfungen auftauchen können.

Nach der ersten Begehung wird gemeinsam mit den Führungspersonal der Unternehmen diskutiert, wo Änderungsbedarf besteht und wie diese Veränderungen schnell und sinnvoll durchgeführt werden können. Während  dafür ein fester Zeitplan erarbeitet wird, gibt es bei der  Grundbedingung ,  jede Form von Kinderarbeit völlig  auszuschließen, weder Fristen noch Verhandlungen. Unternehmen, die diese Bedingung nicht erfüllen können oder wollen, fallen  als Lieferanten von vorneherein aus.



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Zertifikate und Siegel

Sobald die Kontrollen über die gesamte Kette vom Steinbruch bis zur Verschiffung erfolgt sind , weitere unangemeldete Besuche vor Ort zur Absicherung durchgeführt wurden und keine Gründe zu Beanstandungen bestehen, erhalten

  • der Verarbeitungs-Exportbetrieb  und
  • der Importeur 

ein Zertifikat. Mit ihm  wird  bestätigt, dass die Unternehmen die vereinbarten  sozialen Mindestanforderungen erfüllen und keine Kinderarbeit einsetzen. Seine Dauer ist auf zwei Jahre befristet. Alle zertifizierte Lieferanten werden in dieser Zeit immer wieder überprüft, um die Einhaltung der Prüfkriterien sicherzustellen.

Die Ware selbst wird vor Verschiffung mit einem Siegel versehen. Dieses gibt mit einer Codenummer gesichert Auskunft über Lieferanten und Käufer, den Lieferzeitpunkt und die Kontrolle.

 

Die Kosten

Um das System nicht zu einer großen Kostenbelastung für die beteiligten Unternehmen werden zu lassen, bemüht sich IGEP um möglichst niedrige  Beiträge. Mit ihnen sollen die Kosten für die regelmäßigen Inspektionen gedeckt, und daneben – ebenso wie bei Rugmark - die Durchführung von Projekten zugunsten armer Kinder und Bevölkerungs-gruppen ermöglicht werden. Im Vordergrund stehen dabei schulische und berufliche Ausbildung, sowie Maßnahmen und Einrichtungen der Gesundheitsfürsorge. IGEP unterhält zusammen mit Rugmark zur Zeit 10 Schulen und ein Kinderheim mit Schule sowie ein effektives Gesundheitszentrum. Die Zahl der Schüler liegt bei 3500.

Nach den jahrelangen Erfahrungen im Teppichbereich und anderen Sektoren wurde mit Herstellern und Käufern ein Kostensatz festgelegt, der den zielorientierten Programmanforderungen bei minimalem Verwaltungsaufwand  genügt. Er liegt

  • für Einkäufer in Deutschland und anderen europäischen Staaten bei 1% des Exportwertes auf fob-Basis, und
  • für indische Exporteure bei 0.25% des fob-Ausfuhrbetrags

Für die Mitglieder der deutschen Initiative „Interessengemeinschaft Asiatische, Afrikanische und Lateinamerikanische Natursteine (IGN) e.V.“  wurde  ein Gruppentarif mit einer Sonderrate von 0.75 % (fob) vereinbart.

 

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